Der Memphis-Misraim-Ritus

  • Der Memphis-Misraim-Ritus, auch „Alter und Primitiver Ritus von Memphis-Misraim“, Kurzform „Ägyptische Maurerei“ beschreibt ein „irreguläres“ beziehungsweise nicht respektables  Hochgradsystem. Bis 1881 arbeiteten der Memphis- und der Misraim-Ritus separat. Ihre Vereinigung ist auf Bestreben von Giuseppe Garibaldi zurückzuführen.
  • Der um 1788 in Venedig begründete Misraim-Ritus beinhaltete ein komplexes System aus 90 Graden. Man fühlte sich zu jener Zeit eng mit den ägyptischen Mysterien verbunden, in denen man den wahren Ursprung der Freimaurerei sah. Die wichtigsten Impulse gingen in der Anfangszeit von Giuseppe Balsamo (auch Joseph Balsamo oder Cagliostro) aus. Durch ihn entwickelte und verbreitet sich das alchemistische und okkult geprägte Gradsystem sehr schnell. Der Ritus konnte rasch in Städten wie Mailand, Genua und Neapel Fuß fassen. Um 1788 führte Cagliostro Luigi di Aquino, Großmeister der neapolitanischen Maurerei, in den Ritus ein. Es verstärkte sich der templerische Einfluss im Ritus und führte zur Ausgrenzung der ägyptischen Komponenten. Um 1803 - 1805 wurden die Bruder Joseph Marc und Michel Bedarride in den Misraim initiiert, die großen Anteil an seiner Weiterentwicklung hatten. Zu jener Zeit sah man sich als Nachfolger der Ritter von Jerusalem und den Rosenkreuz-Brüdern des Orients. In den folgenden Jahren wurde er für viele Jakobiner als auch Anhänger der Carbonari-Bewegung interessant, da er für seine antiklerikale und antimonarchische Einstellung bekannt wurde. Dies führte unter anderem um 1817 zu seinem Verbot und bis 1881 zu einem rapiden Mitgliederaustritt.
  • Der Memphis-Ritus oder auch Orientalische Freimaurerorden von Memphis, findet seine Ursprünge in der Ägyptenexpedition Napoleons von 1798 - 1801 und beinhaltete 95 Grade. Diese Grade wurden in drei Orden mit jeweils 30 Graden unterteilt. Die letzten fünf Grade galten administrativen Zwecken. Im ersten Orden standen die Morallehren, Bedeutungen der Symbole, Lehre über die Humanität und die Wissenschaft über die Natur im Mittelpunkt. In den ersten Orden wurden dabei nur Freimaurer mit abgeschlossenen Meistergrad aufgenommen. Man betrachtete die blaue Johannisfreimaurerei als Teil des ersten Ordens im Misraim-Ritus. Im zweiten Orden wurden Philosophie und Geschichte des Ordens vertieft. Es wurden die antiken Mythen und die indische Philosophie mit einbezogen. Der dritte Orden widmete sich ausschließlich der höheren Philosophie. Man sprach hier allgemein von der Wiederherstellung des Feuers und der großen Offenbarung des Lichts (Erleuchtung).
  • Unter den Expeditionsteilnehmern fanden sich viele Anhänger freimaurerischer Vereinigungen, was zur damaligen Zeit keine Seltenheit war. Nach ihrer Rückkehr beschloss man eine von der englischen Mutterloge unabhängige Obedienz aufzubauen. 1835 konstituierte sich der Memphis-Ritus unter Jacques Etienne Marconis de Negre als Gegenstück zum Misraim. In ihn flossen Teile der ägyptischen und alchemistischen Mythologie, sowie auch templerische Elemente ein. Unter der Amtszeit Ludwig Phillipps, wurde die Arbeit des Ritus von 1841 bis 1848 still gelegt. Ab 1856 fasste man auch in den USA Fuß. ähnlich wie im Misraim, fand man auch hier revolutionäre Kräfte in den Logen. Mit dem Sturz der Pariser Kommune im Jahr 1871, brach auch hier der Mitgliederschwund über die Logen einher.
  • 1881 wurde der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi Großmeister beider Obedienzen. Durch ihn wurden letztlich beide Hochgrad-Systeme aufeinander abgestimmt und zusammengeführt. Bereits 1872 kam es zur Gründung einer souveränen Großloge des Memphis und Misraim-Ritus durch den Freimaurer John Yarker. Am 24. September 1902 konstituierte sich die deutsche Großloge des Memphis-Misraim Ritus. Zu seinen Gründungsmitgliedern zahlen Theodor Reuss, Henry Klein und Franz Hartmann. Der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, wird am 15. Juni 1907 zum amtierenden General-Großmeister des Ritus ernannt. In Deutschland wurde der Ritus bis in die späten 1990er praktiziert.
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