Die Geschichte des Hochgradsystems des AASR

Der Alte und Angenommene Schottischer Ritus ist das international meist verbreitete Hochgradsystem und bearbeitet die Maurerei in 33 Graden. In seinem heutigen Aufbau stammt der Ritus aus Amerika, wo er 1801 in Charleston (South Carolina, USA) von Oberst John MitchelI, Frederick Darho, einem Arzt preußischer Herkunft, Isaac da Costa und anderen der erste „Oberste Rat des XXXIII. und letzten Grades“ (frz. Conseil Supreme, engl. Supreme Council) gegründet wurde, von dem sich heute alle respektablen Obersten Räte der Welt herleiten. Grundlage des ganzen Systems in Aufbau und Organisation bilden die sogenannten „Großen Konstitutionen“ von 1786, deren Ursprung strittig ist. Die lange Zeit üblich gewesene und auch heute immer wieder auftauchende Ableitung von Friedrich dem Großen ließ sich auf Dauer nicht aufrechterhalten. Die drei symbolischen Grade des schottischen Ritus (auch als „rote Maurerei“ bezeichnet) unterscheiden sich nur in wenigen Einzelheiten von der englischen Lehrart (auch als „blaue Maurerei“ bezeichnet). Gemeinsam ist beiden, dass sie heute nicht mehr von Obersten Räten, sondern ausschließlich von Großlogen verwaltet werden, so dass die Obersten Räte in der Regel fast durchwegs nur noch die Hochgrade 4 bis 33 dirigieren. Auf dem Pariser Kongress der Obersten Räte von 1929 wurde unter anderem festgelegt, dass die ersten drei Grade nur von Großlogen zu bearbeiten sind.

Ein Gegensatz der „blauen“ zur „roten“ Maurerei besteht keineswegs. Die höheren Grade bilden insofern eine Fortsetzung der Johannisgrade (1. bis 3. Grad), als das esoterische Moment stark hervortritt und die Lehren weiter ausgearbeitet sind. Sie wenden sich an jene Brüder, die sowohl besondere Fähigkeiten als auch ein inneres Bedürfnis nach mehr selbst zu erarbeitender Weisheit und Vervollkommnung haben. Die höheren Grade haben ihre nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Freimaurerei. Die Vertiefung, die der Ritus im Laufe der Jahrhunderte in jeder Hinsicht erfuhr, wurde etwa durch Albert Pike in Amerika sowie durch den Belgier Goblet d‘Alviella in Europa beeinflusst.

Die Werkstätten der Obersten Räte heißen Perfektionslogen, Kapitel, Areopage und Konsistorien. Sie sind nach Lehre und Aufbau auch heute wichtige Stufen freimaurerischer Fortbildung und Symbolik. Sie sind reich an Schönheit und Gedankentiefe. Die Lehren handeln vor allem von der Pflicht zur Arbeit, dem Kampf für Gewissensfreiheit, der Aufrechterhaltung der Menschenrechte, der Nächstenliebe, der Völkerversöhnung, der Sorge für Erhaltung des Friedens auf Erden und dem Streben nach Wahrheit.  Das sind die Grundsätze, die von Grad zu Grad ihre Vertiefung finden. D‘Alviella hat die diesbezügliche Lehre vereinheitlicht, sie organisatorisch strukturiert und Brücken geschlagen, die gestatten, von einem wirklichen System zu sprechen, in dem nicht etwa willkürlich aneinandergereihte Grade den Eindruck hilfloser Zusammenhanglosigkeit erwecken. Dieser belgische Großkommandeur setzte die Grade in Beziehung zu den häufigsten Religionen, mystischen Kulten sowie philosophischen Systemen und verband ihre verschiedenen Grundlehren mit der Freimaurerei. Er vermittelte so Kenntnisse, die, zusammen gefasst, schließlich die „vollkommene Einweihung“ bewirken. Die Einteilung der Werkstätten ist nicht ganz einheitlich. Zum Beispiel gestaltet sie sich in Nordamerika (Südliche Jurisdiktion) folgendermaßen:

4 – 14 Perfektionsloge                      

15 – 18 Areopag                     

19 – 29 Council of Kardosh 

30 - 32 Konsistorium

33 Supreme Council

Zu den Graden gehören auch jene, in denen, dem Zeitgeist des 18. Jahrhunderts entsprechend, von der (immer nur symbolisch gemeinten) Sühne für den Tod Hirams und des Templergroßmeisters de Molay die Rede ist. Nur noch in einem einzigen Grad ist heutzutage ernstlich von Vergeltung die Rede, und auch dort nur in sinnbildlicher Bedeutung. An der Darstellung des Opfertodes des letzten Templergroßmeisters wird die Verpflichtung gezeigt, unablässig, auch unter Selbstaufopferung, für die Gewissensfreiheit zu kämpfen.

Nach Goblet d‘Alviella besteht „die einzige Vergeltung, die der Freimaurer im Namen der Verfolgten aller Zeiten üben kann, in der Arbeit zur Herbeiführung eines sittlichen Zustandes, der neuerliche Attentate auf die Gewissensfreiheit unmöglich macht“. Nur von einem Bekenntnis zu den Menschenrechten ist die Rede, der Rachegedanke, der durchaus unfreimaurerisch wäre, wird ausdrücklich verworfen. Der Ursprung des Ritus liegt in einem der zahlreichen französischen Systeme der Schottischen Maurerei des 18. Jahrhunderts, dem Conseil des Empereurs d’Orient et d’Occident, Grande et Souveraine Loge Ecossaise Saint Jean de Jerusalem (Rat der Kaiser vom Osten und Westen, Große und Souveräne Schottische Loge zum heiligen Johannes von Jerusalem), der gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Grand Orient de France aufgingen. 1761 erteilte diese Großloge dem Kaufmann Etienne Morin, der nach Amerika ging, ein Patent, das ihn ermächtigte, eine Perfektionsloge des Ritus in der Neuen Welt zu gründen. Das heißt nach damaligem Sprachgebrauch, die 25 Grade der „vollkommenen und erhabenen Maurerei“ zu verleihen. Diese Grade waren:

1. Lehrling

2. Geselle

3. Meister

4. Geheimer Meister  

5. Vollkommener Meister  

6. Vertrauter Sekretar 

 7. Intendant der Gebäude

 8. Vorgesetzter und Richter  

9. Auserwählter Meister der Neun  

10. Auserwählter Meister der Fünfzehn

11. Auserwählter Erleuchteter oder Chef der 22 Stimmen  

12. Großmeister-Architekt  

13. Royal Arch  

14. Groß-Auserwählter  

15. Ritter des Degens  

16. Prinz von Jerusalem  

17. Ritter vom Osten und Westen  

18. Ritter Rosenkreuzer  

19. Groß-Pontifex, Meister ad vitam  

20. Groß-Patriarch  

21. Großmeister des Schlüssels der Maurerei  

22. Prinz von Libanon oder Ritter der Königlichen Axt  

23. Prinz-Adept, Chef des Großen Konsistoriums 

24. Erleuchteter Ritter, Kommandeur des weißen und schwarzen Adlers 

25. Prinz der Maurerei, Kommandeur des Königlichen Geheimnisses 

Morin führte seine Mission zunächst auf Jamaika durch, wo er ein Konsistorium errichtete. Danach schuf er eines in San Domingo. Zwar waren auch schon in Amerika Schottische Grade bekannt - nachweislich waren von 1749 an in San Domingo, Martinique und Louisiana schottische Logen entstanden - aber erst die Arbeit von Morin bewirkte ihre allgemeine Verbreitung. Um die Jahrhundertwende tauchte in Amerika eine auf 1786 datierte Konstitution auf, die die Zahl der Grade von 25 auf 33 erhöhte, als oberste Leitung einen Obersten Rat, gebildet aus neun Groß-Generalinspektoren (Trägern des XXXIII. Grades) bestimmte und behauptete, ihre Entstehung Friedrich dem Großen zu verdanken, der bestimmt habe, dass die bisher von verschiedenen Schottischen Riten erteilten Grade zu einem neuen, dreiunddreißigstufigen „Alten und Angenommenen Ritus“ zusammengelegt werden sollten. Da Friedrich der Große damals bei verschiedenen maurerischen Körperschaften der Alten und Neuen Welt als eine Art Haupt der gesamten Maurerei galt, war durchaus kein Anlass gegeben, an der Echtheit der Urkunde zu zweifeln. Unter diesen Vorzeichen entstand dann 1801 in Charleston (South Carolina) der erste Oberste Rat der Welt, der „Mother Supreme Council“, der dann 1860 seinen Sitz nach Washington verlegte. In der Folge wurde über den mutmaßlichen Verfasser der „Großen Konstitutionen von 1786“ heftig, aber ohne positives Ergebnis debattiert. Es erscheint heute ganz gleichgültig, dass Friedrich der Große nicht ihr Urheber war. Ausschlaggebend ist dagegen, dass sie sich als vorzüglich geeignet erwiesen hatte, ein seither über die ganze Welt verbreitetes System zu tragen. Die Fixierung auf 33 Grade ist wahrscheinlich amerikanischen Ursprungs. Die Grade heißen jetzt: 

1. Lehrling 

2. Geselle 

3. Meister 

4. Geheimer Meister 

5. Vollkommener Meister

6. Geheimer Sekretar

7. Vorsteher und Richter 

8. Intendant der Gebäude 

9. Auserwählter Meister der Neun 

10. Erlauchter Auserwählter der Fünfzehn  

11. Erhabener Auserwählter Ritter 

12. Großarchitekt 

13. Meister vom Königlichen Gewölbe (Royal Arch)

14. Auserwählter Maurer

15. Ritter vom Osten oder vom Schwert 

16. Meister von Jerusalem 

17. Ritter vom Osten und Westen 

18. Ritter vom Rosenkreuz 

19. Hoher Priester oder Erhabener Schotte 

20. Obermeister der Symbolischen Logen

21. Noachite oder Preußischer Ritter

22. Ritter der Königlichen Axt oder Fürst vom Libanon

23. Meister des Allerheiligsten

24. Obermeister des Allerheiligsten

25. Ritter der Ehernen Schlange

26. Schottischer Trinitarier

27. Obermeister des Tempels

28. Sonnenritter

29. Groß-Schotte des Heiligen Andreas

30. Ritter Kadosch

31. Groß-Richter

32. Meister des Königlichen Geheimnisses

33. General-Inspektor

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