Freimaurerei und Religion

Freimaurerei ist keine Religion. Ein Freimaurer ist verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen und wenn er die Kunst recht versteht, wird er weder ein engstirniger Gottesleugner noch ein bindungsloser Freigeist sein, hieß es schon in den Alten Pflichten von 1723. Grundsätzlich werden Mitglieder aller Glaubensbekenntnisse aufgenommen. Die genauen Aufnahmebedingungen hängen jedoch von der jeweiligen Lehrart ab. Hier findet man deutliche Unterschiede. Grundsätzlich kennt der Alte und Angenommene Schottische Ritus nur die Schöpfung (Großer Architekt des Universums) an. Dieses Konstrukt stellt kein Gottesbild dar, sondern ist ein Symbol, dessen Deutung dem persönlichen Glauben eines jeden Bruders vorbehalten bleibt.

Die angelsächsische Freimaurerei erwartet ein deistisches Bekenntnis zu einem höheren Wesen und grenzt sich in der Regel vom reinen Atheismus ab, akzeptiert allerdings Agnostizismus. Dies war jedoch nicht immer so, sondern änderte sich erst 1989 mit der Neufassung der „Basic Principles“ durch die Vereinigte Großloge von England.

Die französische Lehrart des Grand Orient de France hingegen nimmt auch Atheisten auf. Daher wurde 1913 seitens der respektablen Freimaurerei (AASR) jeder Kontakt abgebrochen.

Kritiker haben der Freimaurerei stets unterstellt, in Wahrheit doch eine Religion zu sein, die sich über alle anderen Religionen stellen wolle, und deren wahrer, okkulter Charakter sich erst in den Hochgraden entfalte. Dies führte dazu, dass eine Reihe von Religionsgemeinschaften die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge als unvereinbar mit ihren eigenen Glaubensbekenntnissen betrachteten. Diese Ablehnung gaben viele christliche Kirchen im Laufe des 20. Jahrhunderts auf.