Freimaurerei und die Politik

Auch wenn sich Logen von Parteipolitik fern halten, so schließt dies nicht aus, dass politische Veränderungen von Freimaurern begrüßt werden. Es sind dies vor allem: die Trennung von Staat und Kirche, die Einrichtung säkularer, öffentlicher Schulen, die Durchsetzung der Prinzipien der modernen Demokratie und die Internationalisierung der Politik im Sinne eines allgemeinen Weltbürgertums. In allen Lehrarten sind Streitgespräche über Parteipolitik oder Religion (besonders konfessionelle) verboten. Denn das würde sich nachteilig auf unsere Eintracht auswirken und den guten Zweck vereiteln, den wir verfolgen. Deswegen dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden. In der französischen Lehrart des Grand Orient de France ist dieses Verbot eingeschränkt, und folgerichtig sind seine Mitglieder im politischen Alltag wesentlich präsenter. Dies führte 1913 zur Aberkennung der Respektabilität. Wie Gotthold Ephraim Lessing in den „Ernst und Falk - Gespräche für Freymäurer“ schreibt, so reicht es nicht aus, in einer gesetzlichen Loge aufgenommen worden zu sein, um Freimaurer genannt zu werden, sondern es bedarf der Einsicht und der Erkenntnis, was und warum die Freimaurerei ist. Die Wirkung der Freimaurerei erfolgt durch die tägliche Umsetzung ihrer Prinzipien in Alltag und Beruf sowie durch gute Taten. In Frankreich entstand am 24. Mai 1773 die „Grande Loge Nationale“, der heutige „Grand Orient de France (GOdF)“. In einem Rundschreiben des Grand Orient de France 1775 fand man die Worte „Das Gesetz ist der Ausdruck des Willens der Allgemeinheit!“, die sich später in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte wiederfanden. Stolz sprach man dabei von den „Bürgern der Freimaurer-Demokratie“.  Nach der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien ging der Marquis de Lafayette 1777 nach Amerika, um sich dort freiwillig für die amerikanische Unabhängigkeit und seine Ideale der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Er kämpfte für die Bürgerrechte der Protestanten und setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei ein. Als überzeugter Demokrat und Verfechter des Freiheitsgedankens machte er sich stark für die Demokratie und die Menschenrechte, die Thomas Jefferson 1776 in Virginia in der „Bill of Rights“ niedergeschrieben  hatte. In dieser Zeit wurde er in Gegenwart von George Washington in eine militärische Freimaurerloge in Morristown aufgenommen. In Frankreich wurde er Mitglied der Loge „Contrat Social“. Nach George Washington traten in den Vereinigten Staaten von Amerika viele weitere Präsidenten wie James Monroe, Theodore Roosevelt oder Harry S. Truman öffentlich für die Prinzipien der Freimaurerei ein. Auch der Entwurf und die Konstruktion der Freiheitsstatue gehen auf die Freimaurer Frederic Auguste Bartholdi und Gustave Eiffel zurück. In Deutschland vertrat der deutsche Reichskanzler und Außenminister Gustav Stresemann (1878-1929) freimaurerische Werte, indem er sich für einen friedlichen Ausgleich mit Frankreich und für Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund einsetzte, was 1926 gelang. In einer öffentlichen Rede gebrauchte er sogar freimaurerisches Vokabular, als er u.a. das Symbol des Allmächtigen Baumeisters aller Welten erwähnte. Gemeinsam mit seinem französischen Kollegen und Freimaurerbruder Aristide Briand erhielt er 1926 den Friedensnobelpreis. Stresemann sorgte auch dafür, dass Deutschland dem Briand-Kellogg-Pakt beitrat, in dem Krieg grundsätzlich für völkerrechtswidrig erklärt wird. 1955 wurde die Ode an die Freude von dem Freimaurer Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi als Europäische Hymne vorgeschlagen. Sie beschreibt das freimaurerische Ideal einer Gesellschaft gleichberechtigter Menschen, die durch das Band der Freundschaft verbunden sind und geht auf eine Auftragsarbeit von Christian Gottfried Körner für die Tafel der Freimaurerloge in Dresden „Zu den drei Schwertern“ zurück.