Warum sind Sie Freimaurer geworden?

Wenn Sie mich persönlich fragen würden, könnte ich Ihnen antworten:

  • Weil ich die Freimaurerei schon relativ gut kannte und sie für mich und für mein weiteres Leben - ich war damals 22 Jahre jung - als wichtige Orientierungshilfe angesehen habe. Und das liegt jetzt schon mehr als 20 Jahre zurück. Mit 40 wurde mir der 33. Grad verliehen, mit 42 wurde ich in den Oberen Rat von Ungarn als Großkommandeur der Garde und mit 45 Jahren zum Souveränen Vizegroßkommandeur Ungarns berufen.
  • Dieser freimaurerische Werdegang ist sicher eine Ausnahme, weil der Generationskonflikt eine natürliche Bremse bildet.
  • Die meisten unserer Mitglieder sind erst mit 40, 50 oder 60 Jahren Freimaurer geworden, zu einem Lebenszeitpunkt also, in welchem die Berufsausbildung abgeschlossen ist, die berufliche Situation sich stabilisiert und auch die Familiengründung und Erziehung der Kinder einen Abschluss gefunden hat.
  • Und das ist ein - manchmal leider etwas spät eintretender - Zeitpunkt, zu dem man als denkender Mensch zu sich selbst finden will und sich auf die Suche begibt, ohne zu wissen, was man denn eigentlich sucht und wo man suchen soll. Und doch finden manche so den Weg in ein spezielles soziales Engagement oder in die Politik. Andere interessieren sich für Sport, Theater und Musik, wieder andere sehen im kirchlichen Bereich Möglichkeiten, ihre ganz persönliche Lebensphilosophie zu verwirklichen. Und einige finden den Weg zur Freimaurerei.
  • Wenn Sie zehntausend Freimaurer befragen würden, warum sie denn diesen Weg gewählt haben, so werden sie zehntausend verschiedene Antworten erhalten.
  • Goethe hat z.B. in seinem Aufnahmegesuch vom 13. Februar 1780 an den Meister vom Stuhl der Loge Amalia in Weimar geschrieben: „Schon lange hatte ich einige Veranlassung zu wünschen, dass ich mit zur Gesellschaft der Freimaurer gehören möchte, und dieses Verlangen ist auf unserer letzten Reise viel lebhafter geworden. Es hat mir nur an diesem Titel gefehlt, um mit Personen, die ich schätzen lernte, in nähere Verbindung zu treten - und dieses gesellige Gefühl ist es alleine, was mich um die Aufnahme nachsuchen lässt.“
  • Ein ganz banaler Wunsch war es also, der Goethe um Aufnahme hat ansuchen lassen, er wollte sozusagen ein geselliges Bedürfnis befriedigen und ähnliches trifft wahrscheinlich für die Mehrzahl der sich um Aufnahme bewerbenden Männer zu.
  • Offiziell gilt nur der Wunsch nach Veredelung oder Vermenschlichung, oder wie man das Streben nach Vervollkommnung sonst noch bezeichnen mag, als einwandfreier Grund zur Aufnahme, doch nur für wenige Brüder dürfte dies wirklich zutreffen.
  • Und doch fühlen sich die meisten dann sehr wohl und geborgen im Bund der Freimaurer und erzählen Ihnen mit leuchtenden Augen, dass sie das gefunden haben, wonach sie lange gesucht hätten.
  • Einige jedoch kehren enttäuscht der Freimaurerei den Rücken. Das sind vor allem diejenigen, die sich materielle und geschäftliche Vorteile versprochen haben und feststellen müssen, dass diese nicht eingetreten sind.